Aug 12, 2008

Oh du mein Österreich...

Ich gebe zu, dass es eine Weile her ist, seitdem ich das letzte Mal ausgiebig österreichische Nachrichten gelesen habe. Ich weiß, dass Neuwahlen anstehen, weil sich unsere Politiker gegenseitig mal wieder nicht leiden können. Ich weiß auch, dass unser Gesundheitssystem in der Krise ist und die Krankenkassen irgendwas verbockt haben. Und ich weiß auch, dass die Pensionsreform IMMER ein Thema ist (dazu brauche ich keine Nachrichten zu lesen). Vielleicht liegt es daran, dass ich schon eine Weile nicht mehr zuhause war, oder daran, dass ich immer mehr Beispiele miterlebe, was an den USA nicht in Ordnung ist, dass ich hier und jetzt eine (kleine) Lanze für Österreich breche. Aber aus der total subjektiven Laura-Perspektive ist unsere Alpenrepublik gar nicht so schlecht, wie manch einer denken mag.

Viel zitiertes Beispiel Gesundheitssystem: Als waschechte Österreicherin bin ich von unserem Sozialstaat verwöhnt. Selbst wenn man in Österreich nicht versichert ist, wird einem kostengünstig geholfen und man steht am Ende der Behandlung nicht mit einem Schuldenberg da. Im derzeitigen U.S.-Wahlkampf ist (wieder einmal) von "health care for everyone" die Rede, was ich an dieser Stelle nicht diskutieren will. Was mich vielmehr verblüfft ist der "Service" für jene Amerikaner, die tatsächlich versichert sind. In meiner Firma zahlt man beispielsweise knapp 100 Dollar im Monat für health care. Die Leistung: Praktisch null. Der "dental plan" covert nur Mundhygiene, keine Plomben, keine X-Rays, kein gar nichts. Der "vision plan" covert nur Brillen, keine Kontaktlinsen oder ausgiebige Augenuntersuchung. Und wenn ich von "covern" spreche, meine ich, dass der Angestelle "nur" 25 Prozent der gerade beschriebenen Behandlungen zahlen muss. Für alle Leistungen, die nicht im Gesundheitspaket enthalten sind, muss man selbstverständlich voll und ganz selbst aufkommen. Wäre ich nicht selbst versichert, hätte ich kürzlich für die Behandlung einer Blasenentzündung fast 400 Dollar bezahlen müssen...

Beispiel Nationalstolz/Patriotismus, oder wie man es auch immer nennen mag: Ich persönlich bin der Meinung, dass Österreich ein bisschen mehr Stolz auf sich sein könnte (jaja, Markus Rogan hat es nicht ins Finale geschafft, aber was solls). Zumindest Fremden gegenüber. Stattdessen machen wir uns selbst klein, beschreiben uns selbst als bedeutungslose und unwichtige Nation in der Welt und jammern gern. Dass in den USA das komplette Gegenteil der Fall ist, mochte ich anfangs sehr, und eigentlich immer noch. Ja, es gibt hier ein Gemeinschaftsgefühl, das ich so noch nicht erlebt habe. Die positive Einstellung zu den eigenen und kollektiven Fähigkeiten (we can do this) inspiriert und motiviert. Immer öfter erlebe ich jedoch einen hardcore Patriotismus, der nicht den kleinsten Funken Kritik zulässt. Nicht von außen, und schon gar keine Selbstkritik. Zumindest das jetzige Amerika (wer weiß, wie es nach der nächsten Wahl aussieht) hat nach 9/11 verlernt, "objektiv" auf sich selbst zu reflektieren und glorifiziert alles und jeden (schwer zu glauben, dass jeder Feuerwehrmann in dieser Nation ein wahrer Held ist und nicht auch ab und zu mal so etwas Banales wie eine Katze vom Baum rettet...). Nach langem hin- und herüberlegen ist mir dann doch ein etwas zu kritisches Österreich lieber. Ja, wir könnten etwas mehr "spirit" gut gebrauchen, aber das lässt sich meiner Meinung nach schneller und einfacher ändern, als fanatischen Patriotismus zu bremsen...

Lange Rede, kurzer Sinn: Wir Ösis jammern gerne, tun das aber meiner Meinung nach auf hohem Niveau. Natürlich gibt es Dinge, die die USA besser machen (zum Beispiel kann unsere Post gegen die amerikanische Post S O F O R T zusperren!!! Tut mir leid, Umundum ;o), aber alles in allem sind wir ganz ok!

7 comments:

gitti said...

400 dollar für eine blasenentzündung-behandlung? oh mein gott!! da müsste ich mir ja ein eigenes sparbuch dafür einrichten...

Anonymous said...

Amen!

Anonymous said...

Wirst scho wieder sehr schreibfaul muss i feststellen!!! ;-)

Bussl aus dem Ösi-Land!

Angi

Subfraut said...

Hagott Laura!

Da gewinnt der Obama und unsere Auslandskorrespondentin verweigert die Berichterstattung!

Minus!

;-)

Würd mich freuen wieder mal was zu lesen ...

Anonymous said...

You have a new president, we have some new ministers...

What about you?

Lia said...

ist da jemand?? :-)

bussl aus graz!

cdw said...

laura, 6 monate nix neues... was soll das ;)